Lorraine de Sagazan (F)
Regisseur:innen / theater
ist Theaterregisseurin und bildende Künstlerin.
Geboren in den 1980er Jahren, gehört sie einer Generation an, die sich mit individuellem und kollektivem Erbe, soziopolitischem Determinismus, in systemischen Mechanismen gefangener Intimität und der Rolle von Idealen auseinandersetzt.
Zusammen mit ihrer Company produzierte sie von 2015 bis 2019 erste Arbeiten, die der Adaption von klassischen Stücken gewidmet waren und dabei Realität und Fiktion miteinander verbanden. Nach ihrer ersten Inszenierung, DÉMONS, basierend auf Lars Noréns Stück, adaptierte sie Henrik Ibsens NORA. L’ABSENCE DE PÈRE, basierend auf Tschechows PLATONOW, das Fragen des Erbes in einer orientierungslosen Generation untersucht, feierte im Juni 2019 beim Festival LES NUITS DE FOURVIÈRE und im MC93 Premiere.
Seit 2020 entwickelt sie eigene Projekte, die nicht mehr die Realität abbilden, sondern untersuchen, wie Fiktion darauf reagieren kann. Nach umfangreichen Recherchen in öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Gerichtsgebäuden taucht sie in die Lücken des zeitgenössischen Systems ein und beginnt eine schriftstellerische Zusammenarbeit mit dem Autor Guillaume Poix. LA VIE INVISIBLE ist das erste Projekt gemeinsame Projekt, das 2020 von der Comédie de Valence in Auftrag gegeben wurde und noch aktiv auf Tournee ist. Darauf folgte im September 2021 die Uraufführung von UN SACRE, welches ebenfalls noch auf tour zu sehen ist. In den Jahren 2022–2023 war sie Stipendiatin in der Villa Médicis.
2024 brachte sie LEVIATHAN beim Festival d’Avignon zur Uraufführung. Die Inszenierung wurde 2025 mit dem Preis des Syndicat de la critique für das beste französischsprachige Theaterstück sowie mit dem Prix Patrice Chéreau ausgezeichnet.
Dort schuf sie zudem gemeinsam mit Anouk Maugein die visuelle und performative Installation MONTE DI PIETÀ. Im selben Jahr erhielt sie einen Auftrag von der Comédie Française. Sie entwickelte LE SILENCE, ein wortloses Stück, das in der Spielzeit 2026–2027 mit ihrer Compagnie wiederaufgenommen wurde. 2025 inszenierte sie für das Festival d’Automne LACK, und im selben Jahr feierte CHIENS am Theatre des Bouffes du Nord Premiere, eine radikale Performance, die sich mit dem Prozess rund um die Aufdeckung des internationalen Pornographie- und Gewaltnetzwerkes des French Bukkake beschäftigt.
Zusammen mit Anouk Maugein führte sie ihre künstlerische Laufbahn durch ganz Frankreich und ins Ausland. Nach ihren Installationen „Nature Morte“ und „Babel“ in Venedig werden sie 2027 den französischen Pavillons bei der Prager Quadriennale gestalten.
Lorraine de Sagazan arbeitet mit der Comédie de Saint-Étienne – Nationales Theaterzentrum, dem Théâtre National de Bretagne in Rennes, der Comédie de Clermont-Ferrand, der Nationalbühne und der Scène Nationale 61 (Alençon, Flers, Mortagne).
Works (selection)